Private Krankenversicherung: Alles Wissenswerte zur PKV

Private Krankenversicherung und die Versicherungspflichtgrenze

Wer einer privaten Krankenversicherung beitreten möchte, sollte sich gut über die damit verbundenen Voraussetzungen informieren. Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG), synonym als Versicherungspflichtgrenze bezeichnet, bestimmt ab wann sich ein Arbeitnehmer in der privaten Krankenversicherung versichern darf. Bis zum Erreichen dieser Grenze sind Arbeitnehmer dazu verpflichtet, sich in der gesetzlichen Krankenversicherung zu versichern. Wenn der Versicherte die Versicherungspflichtgrenze überschreitet, steht ihm die Wahl zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenkasse offen.

Wissenswertes zur Versicherungspflichtgrenze

Die Versicherungspflichtgrenze ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Im Jahr 2018 beträgt sie 59.400,00 Euro.

  • 2018 59.400,00 EUR
  • 2017 57.600,00 EUR
  • 2016 56.250,00 EUR
  • 2015 54.900,00 EUR

Als Jahresarbeitsentgelt gilt das vertraglich vereinbarte Brutto-Jahresgehalt. Wenn im Arbeitsvertrag ein Monatsgehalt vereinbart ist, dann ist das Zwölffache dieses Monatsgehalts ausschlaggebend. Urlaub-, Weihnachtsgeld und Boni werden addiert. Bei Boni erfolgt eine Addition aber nur dann, wenn sie jährlich ausgezahlt werden. Einmalzahlungen werden nicht berücksichtigt. Personen, die vor dem 31. Dezember 2002 einer privaten Krankenversicherung beigetreten sind, unterliegen einer geringeren Jahresarbeitsentgeltgrenze von 52.200 Euro. Die Versicherungspflichtgrenze legt das Bundeskabinett fest. Die Politik bestimmt also, ab wann ein Angestellter der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung entgehen darf. Der Anstieg der vergangenen Jahren ist auf die Lohnentwicklung in Deutschland zurückzuführen. Die Versicherungspflichtgrenze steigt parallel zur durchschnittlichen Lohnentwicklung in Deutschland an.

Entwicklung der Versicherungspflichtgrenze

Wer in eine private Krankenversicherung wechseln möchte, muss ein überdurchschnittlich hohes Einkommen vorweisen können. Die steigenden Löhne in Deutschland machen es für Angestellte immer schwieriger, in eine private Krankenversicherung zu wechseln. Wenn die durchschnittlichen Löhne ansteigen, bedeutet dies nämlich noch nicht, dass das Einkommen einzelner Angestellter ebenfalls ansteigt. Sie müssen nun ein höheres Mindestgehalt erzielen, um der gesetzlichen Versicherungspflicht zu entgehen. Personen, die Mitglied einer privaten Krankenversicherung sind, müssen bei Unterschreiten der Versicherungspflichtgrenze in eine gesetzliche Krankenversicherung zurückwechseln. Sie dürfen nicht länger Mitglied einer privaten Krankenversicherung sein. Sie dürfen diese aber in Form einer Zusatzversicherung abschließen. Die Versicherungspflichtgrenze trifft nur auf Arbeitnehmer in der Wirtschaft zu. Einigen Berufsgruppen dürfen unabhängig von ihrem Gehalt in eine private Krankenversicherung wechseln. Dazu gehören Beamte, Selbstständige, Studierende und Freiberufler.

Die Beitragsbemessungsgrenze

Wer in eine private Krankenversicherung wechseln möchte, sollte die Pflichtversicherungsgrenze und die Beitragsbemessungsgrenze keinesfalls verwechseln. Die Beitragsbemessungsgrenze bildet die Berechnungsgrundlage für den Versicherungsbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung. Wenn ein Arbeitnehmer diesen Wert erreicht, sind die prozentualen Beiträge gedeckelt. Die Gebühren bei der gesetzlichen Krankenversicherung steigen folglich nicht mehr an. Die Beitragsbemessungsgrenzen für die gesetzliche Krankenversicherung haben sich für 2018 geändert.

Beitragsbemessungsgrenzen, Beitragssätze und Versicherungspflichtgrenzen 2018Bundesgebiet
Beitragsbemessungsgrenze jährlich53.100,00 EUR
Beitragsbemessungsgrenze monatlich4.425,00 EUR
Beitragssatz14,60 %
Beitragssatz Arbeitgeberanteil7,30 %
Beitragssatz Arbeitnehmeranteil7,30 %

Geschichte der Versicherungspflichtgrenze

Die Jahresarbeitsentgeltgrenze wurde bis zum Jahr 1969 vom Deutschen Bundestag beschlossen. Dies führte immer wieder zu politischen Kontroversen. Denn der Deutsche Bundestag konnte die Grenze nach Belieben festlegen. Zur „Entpolitisierung“ der Grenze wurde diese in den 70er Jahren starr festgelegt: Die Jahresentgeltgrenze ist gleich bleibend hoch und steigt und fällt mit der Entwicklung der durchschnittlichen Bruttolohnentwicklung. Die Entwicklung der Bruttolöhne legt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales jedes Jahr aufs Neue offen. Dies erfolgt gem. § 6 VI SGB V durch eine Rechtsverordnung. Im Jahr 2003 hob der Deutsche Bundestag die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 40.500 auf 45.900 Euro an. Dies sollte den Kreis der gesetzlich Versicherten erhöhen. Dies führte – durch den Eintritt vieler Beitragszahler – zu einer Stärkung der gesetzlichen Krankenversicherung. Da aktuell Privatversicherte de facto in die gesetzliche Krankenversicherung gezwungen worden wären, wurde eine Ausnahmeregelung geschaffen. Deshalb führte der Bundestag eine niedrigere Jahresarbeitsentgeltgrenze für Personen ein, die sich vor dem 31. Dezember 2002 versicherten.

Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze

In früheren Jahren war für das Erreichen der Versicherungspflichtgrenze nicht das vertraglich vereinbarte Bruttoeinkommen maßgeblich. Von März 2007 bis Dezember 2010 gewährte die private Krankenversicherung einem Versicherungsnehmer erst dann Zutritt, wenn er in drei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren die Versicherungspflichtgrenze überschritt. Außerdem musste das Einkommen auch im Folgejahr voraussichtlich die Versicherungspflichtgrenze überschreiten. Studenten, die privat versichert waren, mussten beim Berufseinstieg in eine gesetzliche Krankenversicherung zurück wechseln. Der Wechsel in eine private Krankenversicherung kam erst nach einer Mindestwartezeit von drei Jahren in Betracht. Die Regelungen zur Versicherungspflichtgrenze ist anderen Staaten überwiegend unbekannt. In Gesundheitssystemen, die steuerfinanziert sind, haben alle Bürger gleichberechtigt Zugang zu medizinischen Gesundheitseinrichtungen. Der Großteil der weltweiten Krankenversicherungen sind Bürgerversicherungen, d.h. jeder Einwohner nutzt sie unabhängig von seinem Einkommen.

Private Krankenversicherung: Vor- und Nachteile

Eine private Krankenversicherung steht nur den Bürgern offen, die die Versicherungspflichtgrenze überschreiten. Sie bietet im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung ein erweitertes Leistungsspektrum. Typische Zusatzleistungen sind eine Chefarztbehandlung und die Übernahme von Heilpraktiker-Leistungen. Folgende Personen dürfen einer privaten Krankenversicherung beitreten:

  • Personen, die die Versicherungspflichtgrenze überschreiten (Angestellte und Arbeitnehmer)
  • Studenten
  • Beamte
  • Selbstständige
  • Freiberufler
  • Kinder

Eine private Krankenversicherung zahlt Krankenhäusern und Ärzten für die Behandlung ihrer Mitglieder einen vergleichsweise hohen Geldsatz. De facto profitieren Privatversicherte deshalb von kürzeren Wartezeiten. Denn Ärzte steigern ihr Einkommen durch die Behandlung von Privatpatienten immens. Viele gesetzlich Versicherte entscheiden sich für den Abschluss einer privaten Zusatzversicherung. Diese bereichert die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und bietet verschiedene Ergänzungen des Basistarifs. Einer der grundlegenden Vorteile privater Zusatzversicherungen liegt in der freien Auswahlmöglichkeit von Zusatzleistungen. Zu diesen gehören oftmals die folgenden:

  • Chefarztbehandlung
  • Einbettzimmer
  • ambulante Kuren
  • Heilpraktiker
  • Massage
  • Krankengymnastik
  • Übernahme von Hörgeräten und Brillen
  • langes Krankentagegeld

Mit Zunahme der Leistungen erhöhen sich die Kosten der privaten Krankenzusatzversicherung. Wer eine private Krankenversicherung als Hauptversicherung abschließt, muss sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen. Einen solchen Gesundheitstest dürfen die gesetzlichen Krankenkassen nicht vornehmen. Eine private Krankenversicherung legt den Gesundheitszustand zugrunde, um den monatlichen Beitragssatz zu berechnen. Es besteht die Möglichkeit, dass eine private Krankenversicherung Antragsteller ablehnt. Sie müssen bei Vorliegen der Voraussetzungen aber jedem den Basistarif anbieten. Wenn Versicherte falsche Angaben machen, darf eine private Krankenversicherung die Übernahme der Leistung verweigern.

Erreichen der Versicherungspflichtgrenze und Höhe der Beiträge

Eine private Krankenversicherung bietet einen immensen Leistungsumfang. Deshalb denken viele Verbraucher, dass die Versicherungsbeiträge sehr hoch ausfallen. Bei der Beitragsberechnung gibt es aber ganz erhebliche Unterschiede. Bei jungen Personen sind die Beiträge viel günstiger als bei einer gesetzlichen Krankenversicherung. Die gesetzliche Krankenversicherung berechnet die Beiträge anhand des Einkommens. Die private Krankenversicherung legt Faktoren wie Alter, Beruf und Vorerkrankungen zugrunde. Die Berechnung orientiert sich auch an den gewünschten Zusatzleistungen. Junge Menschen profitieren deshalb von den Leistungen einer privaten Krankenversicherung in einem ganz besonderen Umfang. Personen mit Vorerkrankungen werden häufig abgelehnt: Eine Aufnahme würde die Beitragssätze enorm steigen lassen. Das Erreichen der Versicherungspflichtgrenze sagt deshalb nichts über die tatsächlichen Monatsbeiträge einer privaten Krankenversicherung aus. Es ist jedoch Fakt, dass die Beiträge mit dem Alter ansteigen. Selbst, wenn die Gesundheit der Versicherungsnehmer optimal ist, steigt deren Beitrag. Denn mit dem Alter steigt naturgemäß das Krankheits- und Verletzungsrisiko. Die steigenden Monatsbeiträge werden aber teilweise durch Rücklagen abgefedert. Junge Versicherungsnehmer zahlen auf den Versicherungsbeitrag einen monatlichen Obulus. Diese sogenannte Altersrückstellung schafft einen Ausgleich und sorgt dafür, dass die Beiträge im Alter nicht allzu belastend sind. Um tragbare Kosten im Alter zu gewährleisten, sollte eine private Krankenversicherung gewählt werden, die vergleichsweise günstig ist. Nehmen Sie sich aber vor Dumping-Angeboten in Acht. Es ist besser einen beitragsstabilen Tarif auszuwählen. Dieser bietet auf lange Sicht finanzielle Vorteile.

Vorstrecken der Kosten

Wer eine private Krankenversicherung abschließt, muss die Behandlungskosten aus eigener Tasche vorschießen. Diese erstattet die private Krankenversicherung nach kurzer Zeit. Bei höheren Geldbeträgen ist es aber auch möglich, dass die Krankenversicherung diese direkt an den behandelnden Arzt auszahlt.

Beitragsrückerstattungen

Wer eine private Krankenversicherung abschließt, hat die Möglichkeit, sich Beiträge zurückerstatten zu lassen. Es gibt verschiedene Systeme, die eine Beitragsrückerstattung vorsehen. Voraussetzung ist, dass der Versicherungsnehmer mindestens ein Jahr lang privatversichert ist und seine Beiträge ordnungsgemäß gezahlt hat. Die sogenannte „erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung“ ist an den Unternehmenserfolg des Versicherungsunternehmens gekoppelt. Wenn die Versicherten über eine gewisse Dauer keine Rechnungen einreichen, erhalten sie eine Barausschüttung. Bei der „erfolgsunabhängigen Beitragsrückerstattung“ erhalten Versicherte eine Rückzahlung, wenn sie bestimmte Leistungen nicht beanspruchen. Die Ausschüttung ist nicht an den Unternehmenserfolg gekoppelt. Eine private Krankenversicherung zahlt einen „Leistungsfreiheit-Rabatt“, wenn der Versicherte ein Jahr lang keine Leistungen beansprucht hat. Die Höhe der Rückerstattung steigt mit der Zeit an.

Regelungen für Selbstständige

Selbstständige, die eine private Krankenversicherung abschließen, profitieren von finanziellen Vorteilen. In der Gründerzeit bieten die privaten Krankenkassen verhältnismäßig geringe Beitragssätze an. Diese steigen mit dem Alter an, sind aber im Durchschnitt noch sehr günstig. Ein späterer Wechsel zu einer gesetzlichen Krankenversicherung ist an bestimmte Voraussetzungen gekoppelt. Der Versicherungsnehmer muss für mindestens ein Jahr in eine Anstellung wechseln, in der er die Summe der Versicherungspflichtgrenze unterschreitet. Anschließend darf er in die gesetzliche Krankenversicherung zurückwechseln.

Die private Krankenversicherung für Studenten

Studenten, die sich für ein Studium einschreiben, müssen eine Krankenversicherung vorzeigen. Oder alternativ eine Freistellung beantragen. Die Freistellung darf nur erfolgen, wenn der Student bereits versichert ist. Beispielsweise über eine Familienversicherung. Väter und Mütter dürfen ihre Kinder bis zu einem Alter von 25 Jahren mitversichern. Der Einstieg in eine private Krankenversicherung ist für junge Menschen sehr attraktiv. Denn sie zahlen geringere Beiträge als Studenten, die sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Während des Studiums ist der Wechsel in eine gesetzliche Krankenversicherung nicht erlaubt. Dies ist nur dann möglich, wenn der Student einen Nebenjob beginnt und eine bestimmte Verdienstschwelle überschreitet. Der Wechsel in eine gesetzliche Krankenversicherung ist zu Studienzeiten nicht sinnvoll. Denn die Tarife der privaten Krankenversicherungen sind viel billiger. Studenten, die sich von der Krankenversicherungspflicht befreien lassen möchte, müssen dazu nur einen Antrag bei der zuständigen Behörde stellen.

Ideale Voraussetzungen für Beamte

Beamte profitieren von der privaten Krankenversicherung in einem ganz besonderen Umfang. Denn ihr Beruf ist quasi auf den Abschluss einer privaten Krankenversicherung ausgerichtet. Wenn sich ein Beamter für eine gesetzliche Kasse entscheidet, muss er den Beitragssatz aus eigener Tasche bezahlen. Wenn sich der Beamte für eine private Krankenversicherung entscheidet, erhält er Beihilfe. Diese Form der finanziellen Unterstützung gewährt der Dienstherr auch für die Familienangehörigen des Beamten. Beamte müssen bei Abschluss einer privaten Krankenversicherung lediglich bis zu 20 Prozent der Beiträge selbst entrichten.

Für wen empfiehlt sich die private Krankenversicherung ganz besonders?

Kinderlose Doppelverdiener-Paare und Singles sollten sich privat versichern lassen. Sobald sie Kinder haben, fällt der Reiz allerdings weg: Kinder sind nicht automatisch mitversichert. Für sie wird eine monatliche Prämie zwischen 70 und 90 Euro fällig. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind Kinder automatisch mitversichert. Die folgenden Gruppen sollten eine private Krankenversicherung unbedingt in Betracht ziehen:

1. Einkommensstarke Personengruppen

Einkommensstarke Personen profitieren von einer privaten Krankenversicherung. Bei der gesetzlichen Krankenkasse steigen die Beiträge mit dem Einkommen. Diese sind zwar gedeckelt – bei der privaten Krankenversicherung sind die Beiträge aber nicht an das Einkommen gekoppelt. Eine private Versicherung ist deshalb wesentlich kostengünstiger.

2. Singles

Singles profitieren von umfangreichen Zusatzleistungen. Da sie keine Kinder haben, die die Beiträge erhöhen würden, ist die private Krankenversicherung von Vorteil.

3. Beamte

Beamte erhalten von ihrem Dienstherren bis zu 80 Prozent der Kosten als Zuschuss erstattet.

4. Junge und gesunde Menschen

Junge und gesunde Menschen zahlen sehr niedrige Beiträge. Denn das Risiko einer Erkrankung ist viel geringer als bei älteren Personen.

5. Personen mit gehobenen Ansprüchen

All diejenigen, die besondere Anforderungen an Service und Exklusivität stellen, profitieren von den Leistungen einer privaten Krankenversicherung.

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