Pflegezusatzversicherung: Das müssen Sie wissen!


Pflegezusatzversicherung: Vorsorge für den Fall der Fälle

Die Zahl der im Alter pflegebedürftigen Personen nimmt beständig zu. Doch die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt längst nicht alle anfallenden Pflegekosten. Im Fall der Fälle kann eine Pflegezusatzversicherung die entstehende Versorgungslücke schließen. In diesem Artikel

  • erfahren Sie, zwischen welchen Varianten der Pflegezusatzversicherung Sie wählen können.
  • zeigen wir Ihnen, was eine gute Pflegezusatzversicherung ausmacht.
  • geben wir Ihnen Tipps und Tricks für den Abschluss einer Pflegzusatzversicherung an die Hand.
  • beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um die Pflegezusatzversicherung.

Pflegezusatzversicherung schließt die Versorgungslücke

Wer im Alter pflegebedürftig wird, erhält Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Einen Teil der anfallenden Kosten müssen Pflegebedürftige allerdings selbst übernehmen. Monatlich kommen so durchaus einige hundert Euro zusammen, was pflegebedürftige Menschen schnell in finanzielle Schwierigkeiten bringen kann. Sind keine Ersparnisse mehr vorhanden, müssen unter Umständen die Kinder im Rahmen des Elternunterhalts einspringen und den Differenzbetrag bezahlen. Erst wenn keine Ersparnisse mehr da sind und auch die Kinder die Kosten nicht übernehmen können, leistet der Staat weitere finanzielle Unterstützung. Wer sichergehen möchte, dass sowohl die eigenen Ersparnisse als auch die Ersparnisse der Kinder bei einer Pflegebedürftigkeit unangetastet bleiben, sollte auf eine Pflegezusatzversicherung testen. Mit dieser lässt sich die Pflegeversorgungslücke wirksam schließen.

Pflegezusatzversicherung: Diese Möglichkeiten haben Sie

Wer eine Pflegezusatzversicherung abschließen möchte, hat die Wahl zwischen drei Modellen:

  1. Pflegetagegeldversicherung
  2. Pflegekostenversicherung
  3. Pflegerentenversicherung

Die Varianten unterscheiden sich erheblich voneinander, sodass die Wahl des Modells gut abgewogen werden sollte. Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Charakteristika der drei Varianten vor.

Setzt auf festgelegte Beträge: Pflegetagegeldversicherung

Die private Pflegetagegeldversicherung setzt auf einen bestimmten Unterstützungsbeitrag, der losgelöst von den tatsächlichen Pflegeleistungen gezahlt wird. Die folgenden Punkte zeichnen die Pflegetagegeldversicherung aus.

  • Leistung: Wie der Name vermuten lässt, wird im Rahmen der Pflegetagegeldversicherung ein bestimmter Betrag pro Tag gezahlt.
  • Höhe: Wie hoch die gezahlte Summe ausfällt, hängt vom gewählten Tarif sowie vom jeweiligen Pflegegrad ab. So unterscheiden sich die Beträge unter Umständen bei einer häuslichen und einer stationären Pflege.
  • Nachweis: Der Festbetrag wird immer ausgezahlt – unabhängig von den tatsächlichen Pflegekosten. Entsprechend müssen entstehende Pflegekosten nicht nachgewiesen werden.
  • Voraussetzung: Voraussetzung für den Erhalt des Pflegetagegelds ist eine festgestellte Pflegebedürftigkeit.

Pflege-Bahr: Wissenswertes zur staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung

Seit Anfang 2013 fördert der Staat den Abschluss von Pflegetagegeldversicherungen. Wenn Sie einen sogenannten Pflege-Bahr-Tarif abschließen, erhalten Sie eine staatliche Zulage in Höhe von 60 Euro jährlich. Diese wird unabhängig vom Einkommen gezahlt, setzt jedoch einen Eigenbetrag von mindestens 10 Euro monatlich voraus. Ein Pflege-Bahr-Tarif kann von allen Personen abgeschlossen werden, die ihr 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und zum Zeitpunkt des Abschlusses keine Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherungen beziehen oder bezogen haben. Eine Gesundheitsprüfung dürfen Anbieter von Pflege-Bahr-Tarifen nicht verlangen. Ebenso ist kein Risikozuschlag und kein Leistungsausschluss möglich. Wer in den Pflegegrad 5 eingestuft wird, erhält im Rahmen eines Pflege-Bahr-Tarifs mindestens Leistungen in Höhe von 600 Euro monatlich.

Aufstockung der Pflegekosten mit der Pflegekostenversicherung

Das zweite Modell der Pflegezusatzversicherung setzt nicht auf festgelegte Beträge, sondern orientiert sich an den tatsächlichen Pflegeleistungen. Kommt es zum Pflegefall, zahlt die Pflegekostenversicherung einen prozentualen Teil der anfallenden Kosten. Die genaue Höhe der gezahlten Leistungen richtet sich nach dem jeweiligen Tarif sowie der gewählten Beitragshöhe. Folgendes sollten Sie zudem zur Pflegekostenzusatzversicherung wissen:

  • Die Pflegekostenversicherung macht einen Nachweis der angefallenen Pflegekosten notwendig.
  • Übernommen werden Kosten ausschließlich, wenn sie durch eine professionelle Pflege verursacht worden sind. Bei einer häuslichen Pflege gibt es keine oder bestenfalls geringe Unterstützungsbeträge.
  • Zudem muss es sich um Leistungen handeln, die auch die gesetzliche Pflegeversicherung vorsieht.
  • Die gezahlten Leistungen orientieren sich an den Pflegekosten. Das im Rahmen der Pflegekostenversicherung erhaltene Geld kann nicht frei genutzt werden.

Der Abschluss einer Pflegekostenversicherung ist für Menschen empfehlenswert, die davon ausgehen, dass sie im Alter von einem professionellen Pflegedienstleister gepflegt werden.

Pflegerentenversicherung: Die wichtigsten Punkte

Die dritte Variante, die im Rahmen der Pflegezusatzversicherung gewählt werden kann, ist die Pflegerentenversicherung. Die Pflegerentenversicherung

  • wird in Form einer monatlichen Rente ausgezahlt.
  • zahlt, sobald eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wird.
  • wird bis zum Lebensende ausgezahlt.
  • ist nicht an bestimmte Pflegeleistungen gebunden. Wer eine Pflegerente bezieht, kann das Geld frei verwenden.

So ähnelt die Pflegerentenversicherung in vielerlei Hinsicht einer klassischen Rentenversicherung.

Entscheidungshilfe: Diese Kriterien zeichnen eine gute Pflegezusatzversicherung aus

Prinzipiell gilt: Ob eine Pflegeversicherung gut ist, hängt von den individuellen Wünschen und Anforderungen ab. So eignet sich nicht für jeden Menschen der gleiche Pflegetarif. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von Punkten, die bei einer Pflegezusatzversicherung stets von Vorteil sind. Wir stellen die wichtigsten Kriterien vor, die eine gute Pflegezusatzversicherung auszeichnen.

  • Pflegebedürftigkeit nachweisen: Wie muss die Pflegebedürftigkeit nachgewiesen werden? Im Idealfall reicht ein einfacher Nachweis, der durch einen Bescheid der gesetzlichen Pflegeversicherung erfolgt. Ein separates Guthaben sollte nicht erforderlich sein.
  • Kurze Wartezeiten: Wenn Sie einen Tarif für eine Pflegezusatzversicherung wählen, wird vertraglich in der Regel eine bestimmte Wartezeit vereinbart. Während dieser Zeit zahlen Sie Beiträge, es besteht im Pflegefall allerdings noch kein Versicherungsschutz. Ein guter Tarif zeichnet sich entsprechend durch möglichst geringe Wartezeiten aus!
  • Beitragsbefreiung im Leistungsfall: Kommt es zum Pflegefall, sollte auch Ihre Beitragspflicht enden.
  • Keine Gesundheitsprüfung notwendig: Eine gute private Pflegeversicherung setzt keine Gesundheitsprüfung voraus. Eine Versicherung sowie eine Leistungsdynamik sollten ohne entsprechende Prüfung möglich sein. Das ist beispielsweise bei allen staatlich geförderten Pflege-Bahr-Tarifen der Fall.
  • Leistungen bei häuslicher Pflege: Ob die jeweilige Pflegezusatzversicherung auch bei einer häuslichen Pflege zahlt, ist tarifabhängig. Prinzipiell gilt: Wer noch nicht weiß, wie er im Fall der Fälle gepflegt werden möchte, sollte darauf achten, dass die abgeschlossene Versicherung auch bei häuslicher Pflege Unterstützungsleistungen vorsieht. Wichtig: Gerade die Pflegekostenversicherung zahlt meist keine oder nur geringe Beträge, wenn die Pflege zu Hause erfolgt.
  • Lebenslange Leistungen: Eine gute Pflegezusatzversicherung zahlt im Pflegefall lebenslang Beiträge.
  • Weit gefasster Geltungsbereich: Achten Sie darauf, dass der Geltungsbereich der entsprechenden Pflegezusatzversicherung möglichst weit gefasst ist. Eine gute Pflegezusatzversicherung sollte im Pflegefall auch dann zahlen, wenn Sie ins europäische oder außereuropäische Ausland gezogen sind. Dieser Punkt ist insbesondere für Menschen wichtig, die im Alter gerne im Ausland wohnen möchten.

Abschluss einer Pflegezusatzversicherung: Die wichtigsten Tipps

Neben den allgemeinen Kriterien, die eine gute Pflegezusatzversicherung auszeichnen, gibt es einige weitere Punkte, die es beim Abschluss zu beachten gilt. Im Folgenden geben wir Ihnen daher vier weitere Tipps für den Abschluss einer Pflegezusatzversicherung an die Hand.

Beitragspause kann sinnvoll sein

Durch sich verändernde Lebensumstände – beispielsweise durch den Verlust des Arbeitsplatzes – kann es passieren, dass die Beiträge für die abgeschlossene Pflegezusatzversicherung nicht mehr gezahlt werden können. In diesem Fall ist es sinnvoll, dass der jeweilige Tarif die Möglichkeit einer Beitragspause einräumt. Eine entsprechende Beitragspause von bis zu drei Jahren ist bei einigen Versicherern durchaus möglich. Auch die gesetzlich geförderten Tarife sehen die Möglichkeit einer dreijährigen Beitragspause vor. Der Haken: Der Versicherte muss auch gemäß den Regelungen des Sozialgesetzbuchs als hilfsbedürftig gelten. Prinzipiell gilt: Schauen Sie sich die Verträge genau an. Hier wird individuell geregelt, ob und wie lange eine Beitragspause möglich ist.

Vorerkrankungen sollten wahrheitsgemäß angegeben werden

Bei einigen Pflegeversicherungen ist eine Gesundheitsprüfung Voraussetzung für den Abschluss. Dies betrifft ausschließlich Tarife, die nicht vom Staat gefördert werden. In diesem Fall bekommen Versicherte Fragen zu Ihrem Gesundheitszustand gestellt. Diese sollten stets wahrheitsgemäß beantwortet werden. Der Grund: Kommt später heraus, dass die Angaben nicht der Wahrheit entsprochen haben, kann die Versicherung die Leistungen beim Pflegefall kürzen – oder im schlimmsten Fall sogar vollständig streichen. Es ist daher nicht zu empfehlen, bei der Gesundheitsprüfung falsche oder unvollständige Angaben zu machen – auch wenn dies unter Umständen die Zahlung von Risikozuschlägen nach sich zieht.

Ein Vergleich kann sich lohnen

Im Regelfall lohnt es sich, die verschiedenen Versicherungsanbieter und deren Tarife zu vergleichen. Oftmals finden sich für vergleichbare Leistungen deutlich günstigere Tarife!

Gibt es bessere Alternativen?

Nicht für jeden ist der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung gleichermaßen geeignet. Ist beispielsweise absehbar, dass die finanzielle Situation in einigen Jahren schwierig aussehen könnte, ist die Sinnhaftigkeit einer Pflegezusatzversicherung fraglich. Der Grund: Können die monatlichen Versicherungsbeiträge nicht mehr gezahlt werden, liegt auch kein Versicherungsschutz mehr vor. In diesem Fall bieten sich meist andere Formen der Vorsorge an.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Pflegezusatzversicherung im Überblick

Der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung ist ein wichtiges Thema, das nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Es lohnt, sich im Vorfeld eingehend zu informieren und Unklarheiten nach Möglichkeit auszuräumen. Zum Abschluss geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen, die sich im Zusammenhang mit einer Pflegezusatzversicherung stellen.

Werden eingezahlte Beträge erstattet, wenn keine Pflegebedürftigkeit eintritt?

Im Laufe der Jahre häuft sich eine stolze Summe an, die in die Pflegezusatzversicherung investiert worden ist. Umso berechtigter ist die Frage: Bekomme ich eingezahlte Beiträge ganz oder teilweise zurück, wenn der Pflegefall nicht eintritt? Die Antwort fällt leider ernüchternd aus. So sichert die private Pflegezusatzversicherung lediglich das Risiko des Eintretens eines Pflegefalls ab. Sollte dieser nicht eintreten, werden keinerlei Beiträge erstattet!

Ab welchem Alter sollte ich eine Pflegzusatzversicherung abschließen?

Prinzipiell gilt: Eine Pflegezusatzversicherung sollte so früh wie möglich abgeschlossen werden. Das hat einen leicht verständlichen Hintergrund. So sprechen insgesamt drei Gründe für einen frühzeitigen Abschluss:

  1. Je früher ein Vertrag abgeschlossen wird, desto länger verläuft die Ansparphase. Dies macht sich in deutlich günstigeren Monatsbeiträgen bemerkbar!
  2. Der zu zahlende Beitrag richtet sich allerdings auch nach dem vom jeweiligen Versicherer ermittelten Risiko für den Eintritt einer Pflegebedürftigkeit. Bei älteren und gesundheitlich angeschlagenen Menschen fällt dieses Risiko verständlicherweise höher aus – ebenso wie die zu zahlenden Beiträge.
  3. Der Eintritt des Pflegefalls muss keineswegs auf das Alter beschränkt bleiben. Im Gegenteil: Es ist durchaus möglich, dass eine Pflege deutlich früher notwendig wird. So ist niemand vor Krankheiten oder Unfällen gefeit, die letztlich eine Pflegebedürftigkeit nach sich ziehen können. Nur wer schon früh eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen hat, ist für den Fall der Fälle gerüstet.

Wo liegen die Unterschiede zwischen einem „starren“ und einem „flexiblen“ Tarif?

Wer sich für eine Pflegetagegeldversicherung entscheidet, hat die Wahl zwischen einem „starren“ und einem „flexiblen“ Tarif. Diese unterscheiden sich folgendermaßen:

  • Starrer Tarif: Im Rahmen eines starren Tarifs kann die Höhe des Tagesgelds lediglich für den Pflegegrad 5 frei gewählt werden. Die Tagesgelder für die übrigen Pflegegrade können dagegen nicht verändert werden.
  • Flexibler Tarif: Ein flexibler Tarif ermöglicht es dem Versicherungsnehmer das Pflegegeld für jeden Pflegegrad frei zu wählen. Das gilt auch für die Pflegegrade 1 bis 5.

Es gilt: Die monatlichen Beiträge für einen flexiblen Tarif werden umso höher, je höher die Absicherung bei den Pflegegraden 1 bis 5 gewählt wird.

Kann ich die Leistungen der Pflegzusatzversicherung aufstocken?

Die meisten Tarife erlauben es den Versicherungsschutz zu erhöhen. Wer mit niedrigen Beiträgen startet und im späteren Berufsleben mehr verdient, kann die Versorgungslücke durch eine Aufstockung des Versicherungsschutzes daher meist problemlos zu einem späteren Zeitpunkt schließen.

Welche Auswirkungen hat die 2017 in Kraft getretene Pflegereform auf die Pflegezusatzversicherung?

Anfang 2017 wurden die drei Pflegestufen offiziell von den fünf Pflegegraden abgelöst. Gerade für Menschen mit einer Demenzerkrankung haben sich hier deutliche Vorteile ergeben. Die Umstellung hat bedingt auch Auswirkungen auf die abgeschlossene Pflegezusatzversicherung, wobei sich diese von Tarif zu Tarif unterscheiden. So werden bei Pflegekosten- und Pflegetagegeldversicherung die bisherigen Leistungen an die neuen Pflegegrade angepasst. Bei einer Pflegerentenversicherung wird in der Regel nach wie vor der jeweils vereinbarte Betrag ausgezahlt.

Was passiert bei einer Kündigung des Tarifs?

Seien es finanzielle Schwierigkeiten, geplante Investitionen oder andere Formen der Vorsorge: Mitunter spielen Versicherungsnehmer mit dem Gedanken einen abgeschlossenen Vertrag über eine Pflegezusatzversicherung zu kündigen. Doch was passiert in diesem Fall? Werden eingezahlte Beiträge erstattet? Kurz und knapp: In den meisten Fällen nicht! Wer beispielsweise eine Pflegetagegeldversicherung kündigt, erhält die eingezahlten Beiträge auch nicht anteilig zurück. Lediglich bei einer abgeschlossenen Pflegerentenversicherung ist es unter Umständen möglich, einen Teil der geleisteten Beiträge zurückgezahlt zu bekommen.

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