Was bedeutet „passiver Rechtsschutz“?

(Last Updated On: 16. Juni 2018)

Versicherungen haben bei den Bürgern nicht immer den allerbesten Ruf. Sie gelten als gewinnorientiert und aus diesem Grund als eher nicht kulant, wenn es um den Ausgleich eines Schadens geht. Und dennoch gehören wir Deutschen durchaus zu den Nationen, die sich gegen (fast) alle Eventualitäten des täglichen Lebens versichern. Ganz „sinnlos“ scheint es im Allgemeinen also nicht zu sein, eine Versicherung abzuschließen. Betrachtet man die zurückhaltende Einstellung von Versicherern, wenn es um Schadensausgleich geht, einmal genauer, dann wird jedoch klar, dass dem Versicherten selbst dadurch auch Vorteile entstehen können.

Die Ursache des „passiven Rechtsschutzes“

Natürlich geht es einer Versicherung zunächst darum, die zu begleichenden Schadenssummen und den dadurch entstehenden finanziellen Aufwand gering zu halten. So prüfen die Unternehmen im Falle eines gemeldeten Schadens genau, ob der zugrunde liegende Sachverhalt überhaupt einen Zahlungsanspruch rechtfertigt. Nur dann, wenn dies der Fall ist, wird ein Versicherer leisten. Unberechtigte Forderungen werden hingegen abgewiesen. Im nächsten Schritt erfolgt eine Einschätzung, ob die Schadenersatzforderung in ihrer Höhe gerechtfertigt erscheint. Im Falle einer offensichtlich überhöhten Zahlungsaufforderung wird ein entsprechendes Gegenangebot erstellt.Durch diese nicht ganz uneigennützige Verhaltensweise von Versicherern entsteht für den Versicherten selbst zwangsläufig ein sogenannter passiver Rechtsschutz, der vor allem bei Haftpflichtversicherungen greift.

„Passiver Rechtsschutz“ in der Praxis

Eine Haftpflichtversicherung leistet dann, wenn der Versicherte einem Dritten ungewollt einen Schaden zufügt und dadurch schadenersatzpflichtig wird. In diesem Fall greift der Schutz durch die entsprechende Haftpflichtversicherung. Im privaten Bereich wäre das zum Beispiel die private Haftpflichtversicherung, während im Straßenverkehr die Haftpflichtabsicherung des jeweiligen Fahrzeuges greifen würde. Wie beschrieben, erfolgt im Schadensfall eine Prüfung, ob die erhobenen Schadenersatzforderungen berechtigt und angemessen erscheinen. Ist dies nicht der Fall, wehrt sich die Versicherung – notfalls auf dem juristischen Wege. Der Schadenverursacher – also der Versicherte – profitiert indirekt von dieser Situation. Denn die Kosten dieser rechtlichen Auseinandersetzung trägt der Versicherer. Eine separate Rechtsschutzversicherung benötigt der Versicherte dazu nicht. Dies gilt selbst im Falle einer juristischen Niederlage. Auch muss der Versicherte im Falle eines Schadens nicht in Vorleistung gehen, wenn seine Versicherung (zunächst) nicht zahlen will. Auf diese Weise werden die Rechtslage und somit auch die Schuldfrage gerichtlich geklärt, ohne dass dem Versicherten Kosten entstehen. Das schließt auch Gebühren für eventuell nötige Gutachter und Ähnliches ein.